Lebendige Vereinsgeschichte - Rupert Nussbaumer (84) erzählt sein Musikerleben ab 1942

Die alten Geschichten sind doch immer die interessantesten – so auch bei der Marktmusik Vorchdorf! Und wer weiß über die alten Geschichten nicht besser Bescheid als jemand, der dabei gewesen ist? Deshalb erzählen ab sofort die (ehemaligen) Mitglieder ihre Erinnerungen, Gedanken und Verbindungen an und mit der Marktmusik Vorchdorf. Den Anfang macht Rupert Nussbaumer (84) - jenes noch lebende Mitglied, das am frühesten dem Verein beigetreten ist:

Vor 71 Jahren (1942), hat der damalige Kapellmeister der Marktmusik Vorchdorf, Leopold Weber, in der Schule nach potenziellen neuen Musikern Ausschau gehalten und für seinen Verein geworben. „Es haben sich gleich recht viele gemeldet, aber am Ende haben nur eine handvoll wirklich angefangen“, erinnert sich Nussbaumer an seinen ersten Kontakt mit der Blasmusik zurück. Er selbst sei damals – so seine eigene Sichtweise - ein „wahnsinniger Streber“ gewesen, begann neben der Schule die F-Tuba zu spielen. Natürlich beim Kapellmeister selbst, denn Musikschule gab es noch keine. Später startete er jedoch eine Lehre in Altmünster, war auf dem Weg zur Arbeit immer ein großes Stück zu Fuß unterwegs. „Und weil die Tuba blöd zum Mitnehmen war, hab’ ich mir eine Klarinette besorgt. Gelernt hab’ ich’s mir selbst – mit zuhören und nachspielen“, so Nussbaumer.

Nach einer längeren Zeit in Gefangenschaft während dem Krieg in Ostfriesland, kehrte er nach Vorchdorf zurück – und auch zur Marktmusik. Die bestand damals aus nur etwa 20 Personen, nach und nach wurden es aber immer mehr Mitglieder. Und auch die Instrumentenvielfalt wurde größer: Nach dem Krieg wurde auch das Saxophon in die Marktmusik eingeführt. Nussbaumer wechselte auf’s Tenorsax, mit dem er zusätzlich bei der „Rhythmus-Band“ (heute die Rhythmus-Combo) spielte. Zu seinen Hobbys gehörte auch das Jagen, weshalb Nussbaumer außerdem bei den Jagdhornbläsern aktiv war.
Insgesamt spielte Nussbaumer unter vier Kapellmeistern, beschloss aber 1987 aufzuhören: „Ich konnte nicht mehr alles spielen, die Ansprüche sind höher geworden. Und ich hab’ für Junge Platz gemacht- und wenn ich euch heute zu euren Konzerten gehe, höre ich keine Musiker, sondern Künstler, die gemeinsam wunderschöne Musik machen.“
Mit seinem achtzigsten Geburtstag beendete er auch seine Karriere als Jagdhornbläser – hat die Entscheidung jedoch nicht bereut, sondern sich mehr Zeit für sich und seine Familie genommen. Und ein Erlebnis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Früher, als wir durchs Dorf marschiert sind, haben wir immer bei Bürgermeister Schmiedinger’s Haus das G’selchte hängen sehen. Und dann haben wir beschlossen, es uns zu holen. Beim nächsten Mal hatten wir eine Leiter dabei, haben des G’selchte heruntergeholt und gegessen. Es hat soo gut geschmeckt…“
Zum Abschied noch einen Tipp für die Zukunft: "Ich bin sehr stolz auf auf euch und bleibt's wie ihr seits"

Danke für das nette Gespräch und die interessanten Geschichten! Alles Gute, Rupert!